18. Türchen im Advent

Von einer „weißen Weihnacht“ träumt jedes Jahr Groß und Klein.
Wenn man sie einmal erleben durfte, dann erinnert man sich noch sehr sehr lang daran zurück. So heute auch im 18. Türchen im Advent die Jessica von terrorpueppi .

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Weiße Weihnacht

Ich schließe die Augen. Als ich sie wieder öffne, höre ich bereits Geschirr in der Küche klappern. Schnell stehe ich auf. Beim Verlassen meines Kinderzimmers steigt mir der Duft der Weihnachtsgans in die Nase. Ich trappel durch den Flur ins Wohnzimmer. Der Weihnachtsbaum erstrahlt bunt und hell leuchtend das Wohnzimmer. Ehe ich mich jedoch den Geschenken widmen kann, welche ich am Vorabend bekommen habe, bleibt mein Blick am Wohnzimmerfenster hängen. Dicke Schneeflocken fallen hernieder. Ich laufe schnell zum Fenstersims und schaue raus. Eine noch leichte, aber unverkennbar geschlossene Schneedecke ist nicht nur auf den Bäumen, sondern auch dem Rasen und den Wegen zu sehen. Der Schnee bleibt liegen und scheint sich auch nicht mehr davonschleichen zu wollen. Gebannt schaue ich auf das Treiben der Schneeflocken. Ich berühre die Fensterscheibe. Sie ist eiskalt. Eisblumen blühen auf.

Am liebsten würde ich sofort rausgehen. Doch noch habe ich meinen Schlafanzug an, habe nicht gefrühstückt und da warten ja auch noch all die Geschenke auf mich, die bespielt werden wollen. Aufgeregt frage ich meine Eltern, ob wir einen Schneemann bauen.

Nach dem Frühstück ist es so weit. Gemeinsam mit meinem Bruder und meinem Vater stürme ich in den Garten. So viel Schnee habe ich noch nie in unserem Garten gesehen. Das Schneetreiben hat mittlerweile eine Pause eingelegt. Mein Vater zeigt uns, wie wir Schneekugeln für die Weihnachtsmänner rollen können. Mein Bruder und ich rollen und rollen durch den Garten. Wir lassen riesige Kugeln entstehen. Sie sind so schwer, dass wir Kinder sie nicht übereinander stellen können. Papa kommt uns zu Hilfe. Aus dem Schuppen holen wir schließlich noch Kohlestücke, Besen und Eimer. Fertig sind die Schneemänner und eisgekühlt sind meine Finger. Natürlich hatte ich immer wieder meine Handschuhe ausgezogen, wollte ich doch den Schnee wirklich spüren können.

Erneut fallen dicke Schneeflocken vom Himmel. Nach getaner Arbeit ziehen wir uns in die warme und heimelige Wohnung zurück. Mein Bruder und ich spielen im Wohnzimmer bis zur letzten möglichen Minute. Dann werden Gans, Rotkohl, Grünkohl, Semmelknödel, Kartoffeln und natürlich Soße vertilgt. Es ist unglaublich lecker. Ich bin kurz davor, zu platzen.

Der Schnee hüllt unser Haus in eine weiße Decke ein. Egal aus welchem Fenster ich blicke, die Welt draußen ist nun ganz friedlich weiß und still. Wir spielen und schauen Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Die Zeit schreitet voran. Es schneit noch immer. Unsere Fußspuren des Vormittags sind längst verschwunden.

Endlich gehen wir erneut hinaus. Diesmal kommt auch meine Mama mit. Wir machen einen Weihnachtsspaziergang. Wir gehen sonst nie als Familie gemeinsam spazieren. Es ist etwas ganz Besonderes und doch fühlt es sich unglaublich vertraut an.

Die Dämmerung hat schon eingesetzt. Wir laufen durch die schneebedeckten Straßen. Hie und da sehen wir kleine Fußspuren im Schnee. Wir rätseln, welcher tierische Freund sie wohl hinterlassen hat. Die Gärten und Häuser erstrahlen durch mannigfaltige leuchtende Dekorationen. Lichterketten geben Koniferen, Tannen und Fichten schillernde Kleider. Weihnachtsmänner klettern Balkone und Hauswände hinab oder besteigen Schornsteine. Kleine Rentiere mit flammenden roten Nasen stromern durch die Gärten. Unterdessen sitzen mein Bruder und ich auf dem Schlitten. Unser Vater zieht uns über den dumpf knackenden Mantel aus Schnee, der alles bedeckt. In mir ist es kuschelig warm.

Ich öffne meine Augen. Ich sehen meine kleine Tochter, wie sie in Gummistiefeln durch Pfützen springt. Keine Ahnung, ob es in diesem Jahr weiße Weihnachten geben wird, aber ich werde alles tun, damit sie als Erwachsene ebenso freudige Weihnachtserinnerungen haben wird, wie ich sie heute habe.

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